schritt für schritt

Seit meiner Kindheit habe ich Probleme mit meinem rechten Knie.

Mit 11 wurde ich an der Kniescheibe operiert. Seitdem ist diese gefühlte 1000 Mal rausgesprungen. Bin schon ein Meister drin, die wieder reinzuhauen.

Anfang 2008 hatte ich einen ziemlich miesen Unfall: Ich übersah während einer Party in einer Wohnung eine hohe Schwelle, trat ins Leere – und knack! Danach fehlte mir die rechte Lust, weiter an der Party teilzunehmen und eierte nach Hause.

Ein knappes Jahr später bin ich bei Eis weggerutscht.
Um mein lädiertes Knie zu schützen hab ich mein Becken heftig verdreht und dabei meinen Mann fast K.O geschlagen. Danach weigerte sich mein Körper und/oder mein Kopf mein rechtes Bein nach vorne zu bringen. Ziemlich blöder Zustand der leider bis heute anhält und jahreszeitabhängig ist: Im Sommer ist es für mich leichter zu gehen. Da ist es meist trocken und warm, ich kann barfuß oder in Sandalen gehen.

Die Angst kommt mit den kürzer werdenden Tagen.
Mal abgesehen davon, dass auch noch Eis und Schnee und Dunkelheit dazukommen: glatt und nass aussehende Untergründe sind für mich der absolute Horror. Dazu noch Menschenmengen um mich herum, die alle wesentlich schneller gehen können als ich, mich anrempeln könnten, zu Fall bringen könnten, und ich drehe voll am Rad.

Nix geht mehr. Ich muss mich zwingen, meine Knie nicht durchzudrücken (geh mal mir durchgedrückten Beinen 😉 ) Mein Rücken schmerzt von der verkrampften Haltung und der Kälte z.Zt., die auch nicht grade förderlich ist.

Ich bewege mich wenn möglich nur noch mir dem Rad vorwärts. Wenn das bei Eis und Schnee nicht mehr geht, muss ich die Bahn nehmen. Dann nehme ich Krücken/Nordic Walking-Stöcke mit und schnall mir Spikes unter die Schuhe.
Meine größte Herausforderung ist das Überqueren einer Straße. Eine Ampelphase reicht mir nicht, nein. Ich brauche zwei. Eine äußerst praktische Erfindung sind übrigens diese Mittelinseln auf den Fahrbahnen.

Ich lernte, mich in der Öffentlichkeit langsam fortzubewegen. Noch so eine Herausforderung für mich, die ich immer so fix war…

Wohlbemerkt: in der Wohnung, in überschaubaren Räumen, ist das Gehen prima! Erst recht, wenn ich barfuß gehen kann. Kaum habe ich Schuhe an und fühle den Boden nicht mehr durch die Sohlen, werde ich unsicher.

Ich bin alles andere als ein Weichei. Immer sportlich aktiv gewesen. Gerne bin ich draußen rumgelaufen, auch bei Eis und Schnee. Schnelles radfahren – Stürze inbegriffen – , Nordic Walking, langes spazierengehen, Taiji, QiGong, Gerätetraining, Pilates – hab ich auch bis zum Abwinken gemacht.

Jetzt bin ich absolut ängstlich geworden.
Bevor ich mich irgendwo hin zu begebe, check ich erstmal, wie weit es ist, ob ich mit dem Rad oder Auto hinkomme bzw. möglichst nahe parken kann.

Nicht, dass ich nichts tue: Ich bau meine Beinmuskulatur und meine gesamte Muskulatur mit speziellen Übungen auf. Hab ja die nötige Erfahrung. Und ab jetzt auch wesentlich mehr Zeit dafür.

Das Verflixte ist: Offensichtlich hat sich hier ein ausgewachsenes Trauma entwickelt.

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