gehen,

für die meisten unter uns ein leichtes Unterfangen. Da muss man nicht nachdenken, es funktioniert einfach. Ist wie Fahrrad fahren.

Ich lerne es grad wieder neu.

Und staune jeden Tag über meine Fortschritte.

3 Jahre lang wollte mein rechtes Bein nicht so, wie ich wollte. Ein kleiner Unfall hier, noch ein kleiner Unfall dort. Zusammengenommen aber eine große Katastrophe. Erst Knie rausgeknallt, dann auf Eis weggerutscht. Es hat kräftig im unteren Rücken gekracht. Und Aus-die-Maus. Jede Oma mit Rollator überholte mich mit Leichtigkeit.

Orthopäden zuckten die Schultern, tapten und triggerten. Rieten mir, meine Skoliose operieren zu lassen (Ihr habt sie ja nicht mehr alle!)
Chiropraktoren drückten, schoben und zogen.

Mein Selbstbewusstsein schmolz von Jahr zu Jahr mehr dahin. Immer schauen, wie ich wohin komme: Auto – ist ein Parkplatz in der Nähe? Rad – bei Eis und Schnee unmöglich (Und wie´s der Teufel will, hatten wir von beiden Elementen die letzen beiden Jahre weiß Gott genug).

Jeden Weg versuchte ich zu vermeiden. Entweder war´s mir zu glatt, oder zu nass. Weite Plätze mied ich wie der Teufel das Weihwasser. Ich bekam Schweissausbrüche, wenn ich eine ebene Fläche vor mir hatte, die es zu überqueren galt. Ebenso Fahrbahnen. Ampelphasen konnten mir nicht lang genug sein.

Von 2008 bis 2011 hat der Braunschweiger Einzelhandel nicht viel an mir verdient: Shopping reduzierte ich bis auf das unbedingt Nötigste.
Verflucht habe ich die wunderschönen Einkaufspassagen mit ihren glänzenden Fußböden. Und die Menschenmassen. Ging jemand dicht hinter mir oder an mir vorbei, stellten sich mir die Nackenhaare auf und ich musste stehen bleiben. In so einem Moment hätte ich mich am liebsten heulend in die Ecke geschmissen.

Besser ging ich in der freien Natur, alleine, nur mit mir selber, ganz ruhig, ohne Stress.

Ich war drauf und dran, mir psychologische Beratung zu holen.

Und jetze: ich schmiss im Dezember meinen Zweitjob. Eine weise Entscheidung. Denn jetzt hatte ich genug Zeit, mich um die Sache zu kümmern.

Seit 4 Wochen mache ich Kieser-Training. Und es wirkt. Es ist verdammt anstrengend, aber meine gesamte Haltung hat sich verbessert, die Muskulatur ist kräftiger geworden.
Mittlerweile genieße ich den Winter. Ich habe mir auferlegt, so viel wie möglich zu Fuß und per öffentlichen Verkehrsmitteln zu erledigen. Mithilfe meiner Krücken, die ich noch seit meiner Hüft-OP habe – eine wunderbare Erfindung, – habe ich ein schnelleres und sauberes Gangbild erhalten. Ich zucke nicht mehr zusammen, wenn es um mich herum hektisch und laut wird. Ich genieße die kalte Luft, das fahren mit der Bahn quer durch die City, finde die Leute um mich herum klasse. Außerdem bekomme ich oft einen Sitzplatz angeboten 😉 , worüber ich mich natürlich sehr freue und es die Leute wissen lasse.
Meine Zielsetzung: bis Sommer ohne Stützen zu gehen.

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