pflegestufe

Meine Schwiegermutter, über 80, benötigt Hilfe im täglichen Einerlei.
Vor 4 Wochen benötigte die Ärmste eine OP, die sie gut überstand und nach 10 Tagen, noch etwas matschig, entlassen wurde. Seitdem leidet sie unter Durchfall, hat etliche Kilo abgenommen. Und schafft ihrer Meinung nach nix mehr ihm Haushalt. Sie, die früher wie ein Wirbelwind durch die Wohnung getobt ist, bei zu erledigender Arbeit immer als erste „Hier!“ schrie: Ihr geht jetzt nach kurzer Zeit die Puste aus.
Für mich angesichts ihres Alters nichts ungewöhnliches. Für sie naturgemäß eine Katastrophe!

Also bot ich ihr an, alle 14 Tage bei ihr vorbei zu kommen, um ihr bei den schwereren Hausarbeiten zur Hand zu gehen.
Warum nicht öfter? Es gibt da ein klitzekleines Problem: Es hört auf den Namen Klaus-Dieter, ist 54, arbeitet Schicht und lebt als ältester Sohn bei der Dame. Speditionsfahrer. Alkoholkrank. Kettenraucher. Nie in seinem Leben woanders gewohnt.
Er und seine Mutter sind Sammler verschiedenster Materialien: Zeitungen und Zeitschriften, kistenweise Nahrungsmittel in verschiedensten Verpackungen, Kakteen – eine Fensterbank ist nicht mehr zu erkennen -, Gummiringe, Weckgläser, Schrauben, alte Fernbedienungen, Geschenke von Nachbarn in Form von Plüschtieren und Seidenblumen, Puzzles. Jede Ablagefläche ächzt unter dem Gewicht der darauf gestapelten Gegenstände. Eine freie Fläche zu finden ist reine Glückssache.
Im Flur harrt ein Computer seit ca. 6 Jahren darauf, benutzt zu werden. Aus Zeitmangel verschwendet er sein Leben abgedeckt unter Schonbezügen. Dies nur mal so als kleiner Einblick.

Um es kurz zu sagen: Ein Aufräumen, wischen, staubsaugen ist schon deshalb ein fast unmögliches Unterfangen, da man ohne größere Umräumaktion nirgends dran kommt.
Das Schlafzimmer der Dame ist so dermaßen zugestellt, dass nur eine ca. 70 cm breite Schneise den Weg zum Bett zulässt. Beim Bettenmachen zog sie eine 8er-Packung handelsüblicher Haushaltsrollen orginalverpackt aus ihrem Bett. Selbst dieser Ort wurde zur Aufbewahrung genutzt. Ein Blick in ihr Bett konnte ich nicht erhaschen, kam ja nicht an ihr vorbei. Wohl auch besser so, weil ich sonst ausgerastet wäre.

Hinweise seitens meines Mannes, meiner Mutter und mir, dass es doch von Vorteil wäre, sich von den Sachen zu trennen, werden immer mit „Ja-ja. Müsste mal…“ beantwortet. Der Herr des Hauses, dem die meisten Sachen gehören, glänzt durch Nichtstun. Entweder muss er arbeiten oder ist besoffen. Mal so krass ausgedrückt. Schwiegermutter scheint es auch nicht besonders zu stören.
Hilfe zum Aufräumen wird abgelehnt. Das macht ja Klaus-Dieter…

Die beiden leben in ihrer eigenen Hölle – sorry! – Welt. Er führt sich auf wie ein Pascha, sie hat resigniert.
Ein Reden mit beiden oder mit jeweils einen von ihnen bringt nicht wirklich etwas. Zudem wird der Sohn – wenn er mal nüchtern ist – ziemlich laut. Was mich äußerst wütend macht. Ich habe in der Vergangenheit Hausverbot von dem Herrn bekommen. Kratzt mich nicht wirklich. Aber helfen kann ich auch nicht wirklich.
Und das macht mich traurig.

Also kümmere ich mich nur, wenn es gewollt ist. Fahre alle 14 Tage vorbei, wenn der Herr nicht da ist, helfe bei dem, was anliegt, besorge Infos über Nachbarschaftshilfen, Pflegestufen, Patientenverfügungen usw. Ich rufe an, um zu fragen, wie es ihr geht. Mehr geht im Moment nicht.

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